Derborence – ein Hauch von Kanada

Strasse
Der “Lac de Derborence” liegt an keiner Durchfahrtsstrasse, man kommt also nicht per Zufall hier vorbei. Und die Fahrbahn, welche zum See hinauf führt ist legendär: 12 Kilometer vom letzten Dorf “Aven”, einspurig, schmal, mit in Felsen gesprengten Tunneln, immer senkrecht mehrere hundert Meter zum Bach abfallend. Ausserdem verkehrt zweimal am Tag ein Postauto auf dieser Strecke, kreuzen mit einem Auto unmöglich, wobei Postautos immer Vorfahrt geniessen.

Der Mond geht langsam unter
Derborence Morgenstimmung
Morgenstimmung
Lac de Derborence
Lac de Derborence

Lac de Derborence
Der See ist ein idyllisches Juwel, eine stille Schönheit, inmitten eines grossen Kessels und umgeben von natürlich gewachsenem Wald und hohen Bergen. Mich erinnert diese unberührte Gegend an Kanada. Es fehlen nur noch Bären und Wölfe, aber das ist ja nur noch eine Frage von ein paar Jahren. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Dieser See ist ausnahmsweise kein von Menschen geschaffener künstlicher Stausee, wie sonst üblich in den Alpen: Vor ungefähr 300 Jahren gab es mehrere Felsstürze vom höher gelegenen Massiv “Les Diablerets” welche Menschen, Tiere und Alphütten unter sich begruben und den Bergbach stauten. Mit der Zeit bildete sich dadurch ein natürlicher See – der “Lac de Derborence”. Wegen der abgeschiedenen Lage (Holzabbau lohnt sich nicht) und der Furcht vor weiteren Felsabbrüchen, wurde das Gebiet sich selbst überlassen. Mit der Zeit entstand ein natürlicher Urwald rund um den See. Ausser einem Restaurant und mehreren kleinen Hütten gibt es hier nichts. Das Gebiet gehört heute der “Pro Natura” und ist ein Naturschutzgebiet. Jagen ist selbstverständlich verboten.
Als ich um 05:00 morgens hier eintreffe, ist der Mond im Westen kurz vor dem Untergehen. Es ist noch ziemlich dunkel und absolut still. Von meinem letzten Besuch weiss ich, an welchen Stellen ich Fotos machen will. Der Weg vom Parkplatz bis zum See ist kurz und ich kann mir in Ruhe die besten Plätze aussuchen. Ausser ein paar Enten ist sonst niemand da. Sonnenaufgang im Flachland wäre um 05:50, wegen der umliegenden Berge hier also ein bis eineinhalb Stunden später. Heute ist es mir allerdings wichtiger, die Zeit und das Licht vor dem Sonnenaufgang zu nutzen. Da es keine menschlichen Eingriffe, Korrekturen oder unnötige Säuberungsaktionen gibt, leben die Pflanzen einen natürlichen Rhythmus und es verrotten abgestorbene Baumstämme auf der Erde oder im See und bilden damit den Nährboden für neues Leben. Ich kenne nicht viele Gegenden in der Schweiz, wo man das noch erleben und beobachten kann. Auch das Wasser reguliert sich selbst: an bestimmten Bäumen kann die Überflutung an einer weissen Markierung von zehn bis zwanzig Zentimetern am Baumfuss abgelesen werden. Leider habe ich keine Wildtiere gesehen: wegen des Jagdverbots gibt es hier viele Gämsen, Steinböcke, Rehe und Hasen. Auch Adler wurden schon häufig gesichtet.

Derborence See
Derborence See
Derborence
Baumstämme verrotten auch im See
der weisse Streifen am Baum zeigt den höchsten Wasserstand
Derborence
Übersicht über den See
Derborence
einer der vielen toten Baumstämme

Wandergebiet
Derborence bietet sich auch als Start- oder Endpunkt einer Wanderung an. Ich denke da z.B. an Wanderungen von oder nach Solalex über den “Pas de Cheville”, zur Cabane Rambert oder Richtung Sanetschpass. Der Gastbetrieb “Refuge de Lac Derborence” bietet neben Verpflegung auch Übernachtungsmöglichkeiten an.

Wander-Wegweiser
Felssturzgebiet

Fazit
Ein wunderschöner Ort dem Alltag zu entfliehen, Natur und Energie zu tanken und einfach mal richtig abzuschalten.

Derborence
ganz junge Bäume am See
erste Sonnenstrahlen
Derborence
der Wald kämpft sich zurück

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *