Klimakonferenz COP24 in Katowice / Polen

Zu der soeben (Dezember 2018) eröffneten UNO-Umwelt-Konferenz COP24 in Polen und den damit verbundenen häufigen Pressemitteilungen möchte ich noch einige Ergänzungen machen, die nicht allen bekannt sein dürften. Sinn und Zweck der Sitzung in Katowice ist die ja Erstellung der Umsetzungspläne und die Definition der Rechte und Pflichten der einzelnen Staaten, um das in Paris anvisierte 1,5°-Ziel zu erreichen. Was ich sehr schade finde ist, dass folgende Punkte entweder nicht im Pariser Abkommen enthalten oder in der Umsetzung fragwürdig sind:

  • Flug- und Schiffsverkehr sind nicht Bestandteil des Abkommens von Paris, d.h. es gibt weiterhin weder eine Einschränkung des Flugverkehrs noch irgendwelche Steuern auf Kerosin und an vielen Flugplätzen auch keine Ticket- oder Mehrwert-Steuern. Dies obwohl der Flug- und Schiffsverkehr einen beträchtlichen Anteil am weltweiten CO2-Ausstoss haben. Man kann es einfach sagen: Das ist staatlich subventionierte Umweltverschmutzung.
  • Umwelt-Zertifikate mit denen schädliche CO2-Emissionen kompensiert werden können sind häufig eine Augenwischerei und gehören besser überprüft. Es besteht die Gefahr, dass sich entweder nichts ändert oder sogar noch mehr Umweltverschmutzung produziert wird.
  • Die weltweite Bevölkerungsexplosion wird im „Ökologischen Fussabdruck“ nicht berücksichtigt, siehe https://www.wwf.ch/de/nachhaltig-leben/footprintrechner, ist aber der treibende Faktor hinter der ganzen Umwelt-Problematik

Interessierten empfehle ich, im Internet nach folgenden Suchbegriffen für weitere Artikel zu suchen und sich näher mit diesen Themen auseinander zu setzen:
– co2 emissionen flugverkehr
– klimazertifikate kritik
– weltbevölkerungsentwicklung

An den UNO-Umwelt-Konferenzen nehmen übrigens jeweils mehr als 20’000 Personen aus 200 Ländern teil, es handelt sich also nicht um kleine, unwichtige Sitzungen von ein paar Umwelt-Freaks. Und: sobald konkrete Massnahmen am COP24 beschlossen sind, werden wir alle die Auswirkungen der Umsetzung zu spüren bekommen. Konkret müssen in den nächsten Jahren fossile Brennstoffe schrittweise eliminiert werden, d.h. Öl- und Gasheizungen ersetzt, Hausfassaden und -dächer besser isoliert und auf Elektroautos umgestellt werden, um die neuen CO2-Emissionswerte zu erfüllen. Auch Punkto Flugverkehr braucht es ein Umdenken, vor allem für uns Schweizer. Niemand fliegt pro Einwohner mehr als wir Schweizer. Konkret legen wir pro Jahr mehr Kilometer im Flugzeug zurück als mit der Bahn und der Anteil des menschengemachten Klimaeffekts in der Schweiz ist mit ca. 18% einer der höchsten der Welt.

Umdenken auch hinsichtlich Prestige: Wer früher bewundert wurde, wenn er oder sie von einer langen Reise zurückkehrte, sollte sich künftig rechtfertigen müssen, ob diese Reise wirklich nötig war. Auf jeden Fall rechtfertigen vor den kommenden Generationen, die das ganze Schlamassel werden ausbaden müssen.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was hat das Ganze mit Fotografie zu tun hat? Auf den ersten Blick wenig, aber viele von uns reisen sehr weit, nur um neue Bilder zu machen oder buchen exotische Workshops resp. bieten diese auch selber an. Und das, um Bilder zu machen, die es schon millionenfach auf Instagram usw. gibt. Ist das wirklich nötig? Zusätzlich wecken die Bilder wiederum Bedürfnisse bei anderen und resultieren in weiteren Reisen und so weiter und so fort. Wie wäre es, wenn sich jede/r auf maximal eine Flugreise pro Jahr beschränken oder sogar ganz darauf verzichten würde? Die Welt gehört allen, nicht nur uns privilegierten, reichen Industrienationen, deren Bürger sich Flugreisen überhaupt leisten können. Die anderen leiden nur unter den Folgen der Klima-Veränderung, ohne etwas dazu beigetragen oder vom Komfort unseres Lebens profitiert zu haben.

Fazit
Die Resultate der periodisch stattfindenden Umwelt-Konferenzen sind bereits ein grosser Erfolg für unseren Planeten und ich bin zuversichtlich, dass die Menschheit „die Kurve doch noch kriegt“ und die dringendsten Umweltprobleme durch konkrete Massnahmen und Selbstbeschränkung in den Griff bekommt. Wir sollten nicht vergessen: Die Erde kann gut ohne uns auskommen, wir aber nicht ohne sie.

 

Das Titelbild zeigt keine abstrakte Kunst sondern den Flugverkehr in Kloten an einem normalen Wochenende. Pro Jahr fertigt allein dieser relativ kleine Flugplatz 30 Millionen Passagiere ab, Tendenz steigend. Der Hauptgrund für die Vielfliegerei sind viel zu billige Ticket-Preise, da sich Fluggesellschaften nicht an den den Umweltkosten beteiligen müssen, die sie verursachen. Eine Tatsache, die langfristig nicht haltbar ist. Bildquelle: Flughafen Kloten

 

 

Link zur COP24: http://cop24.gov.pl/, sowie der Originaltext der für die Konferenz gesetzten Ziele:

EXPECTED OUTCOME OF COP24
The main objective of the Polish Presidency at COP24 is to adopt a decision ensuring full implementation of the Paris Agreement (the so-called implementation package – the Katowice Rules). The implementation package will give the Paris Agreement a realistic shape by setting out a path that each country will decide to follow in terms of intensifying its climate protection efforts. To put it simply, “there is no Paris Agreement without Katowice”.
The ambition of the Polish Presidency is to adopt rules and tools that will create a systemic solution for the whole world, replacing the point-based discussion on fragmented objectives, which doesn’t allow for a comprehensive approach to all important areas of emissions (such as transport, energy, buildings, agriculture), removals balancing emissions (forests, soils), implementation measures (including financing) and measures to adapt economies to expected changes in the future (the so-called adaptation measures). The success of Katowice will be to make progress in the mechanisms without which the Paris Agreement will not be able to function in real terms.
Apart from the implementation package, means the Katowice Rules, COP24 will host two important events at the ministerial level. The first event constituting a financial framework for climate protection will be the 3rd Ministerial Dialogue on Climate Financing (according to Decision 3/CP.19), dedicated to assessing progress in meeting the developed countries’ commitment to mobilise USD 100 billion annually by 2020.
The second event constituting a joint reflection on how the Parties should achieve together the objectives of the Paris Agreement will be the Talanoa Dialogue. It will be an opportunity for Poland to highlight its positive contribution to climate protection, underlining the scale, importance and effectiveness of national policies, especially in the areas of clean air, electromobility and increasing forest resources. It will also be a forum to discuss the level of global ambition.

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