Gastlosen – klassische Rundwanderung „Tour de Gastlosen“

Das erste Mal von den Gastlosen gelesen habe ich in einem Buch von Erhard Loretan. Darin geht es natürlich ums Klettern, Loretan ist ja nicht weit von hier aufgewachsen und hat viel in den Gastlosen trainiert. Obwohl ich selber kein Kletterer bin, finde ich bestimmte Bergabenteurer als Menschen interessant, z.B. Bonatti, Messner oder Loretan, weil sie kompromisslos ihren Weg verfolgen und dafür Entbehrungen und sogar den möglichen Tod in Kauf nehmen. Wie das ja für Erhard leider vor ein paar Jahren als Berufsrisiko eines Bergführers auch eintraf. Man kann also durchaus etwas von ihnen lernen, auch wenn man selbst ein ganz anderes Leben lebt.

 

Nordöstliche Seite, kurz nach Mauzes Bergle, Grossmutterloch

 

Zurück zu den Gastlosen: Es ist eine der markantesten Felsformationen in der Schweiz und bekannt als ein Gebiet mit hunderten von Kletterrouten. Aber auch für normale Wanderer bieten sich schöne Touren an. Wir haben die bekannteste gewählt, die Rundtour „Tour de Gastlosen“: Mit dem Sessellift von Jaun auf Mauzes Bergle, dann Richtung Soldatenhaus, über Wolfs Ort und Chalet Grat zurück zum Ausgangsort. Diese weiss-rot-weiss markierte Strecke umfasst 12 Kilometer und zweimal ca. 800 Höhenmeter. Vor der Schlüsselstelle der Tour tut eine kurze Rast und Stärkung im Restaurant Soldatenhaus gut. Von hier aus hat man einen schönen Ausblick auf den westlichen Teil der Gastlosen. Für den Aufstieg zum Wolfs Ort müssen gelegentlich die Hände eingesetzt werden, sonst bietet die Wanderung keine Schwierigkeiten. Während die nordwestliche Seite am Morgen im Schatten liegt, und der Boden feucht und die Steine rutschig sein können, wechselt mit dem Überschreiten der höchsten Stelle beim Wolfs Ort die Szenerie: die südöstliche Seite ist sonnenbeschienen und baumfrei, das Gras trocken und eine weite Sicht auf die Alpen tut sich auf. Die im folgenden Bild blau markierte Route zeigt die beschriebene Wanderung.

Blau markiert die “Tour de Gastlosen”

 

Wegweiser beim Soldatenhaus

 

 

Panorama vom Soldatenhaus Richtung Westen

 

 

Südöstliche Seite nach dem Abstieg vom Wolfs Ort

 

Gelegentlich werden die Gastlosen mit den Dolomiten verglichen: Dieser Vergleich ist nicht falsch, die Dolomiten sind flächenmässig jedoch viel grösser und die Gipfel auch höher. Im Vergleich mit den Alpen oder dem Jura sind die Gastlosen eine extrem schmal und scharf geschnittene Felskette. Sie sind so dünn, dass an einer Stelle sogar eine Lücke entstanden ist, das sogenannte „Grossmutterloch“. Es ist auf zwei Bildern sichtbar. Die Gastlosen erstrecken sich auf einer Länge von 15 Kilometern zwischen den Kantonen Freiburg, Bern und Waadt.

 

Genau in der Bildmitte: das Grossmutterloch

 

Gastlosen vom Jaunpass aus gesehen

 

Kurz vor dem Chalet Grat

 

Da man auf der beschriebenen Tour nur schwer einen guten Überblick über die ganze Gastlosen-Kette gewinnt, wurden auch Bilder von anderen Standorten dazu gefügt, z.B. vom Jaunpass. Das Titelbild wurde bei Sonnenaufgang vom Grat in der Nähe des Punktes 1935 aufgenommen. Ein schlecht unterhaltener Wanderweg führt vom Chalet Grat auf diesen Gebirgsgrat.

Fazit: Eine absolut lohnende Wanderung für Naturliebhaber in einem spektakulären Gebiet, das bis jetzt vom Massentourismus verschont geblieben ist und in Anbetracht der Marschzeiten wohl auch in Zukunft relativ wenig Besucher aufweisen wird. Die Mehrheit der Touristen besucht übrigens hauptsächlich die Käserei in Greyerz und die Cailler-Schokoladenfabrik in Broc.

 

Ausblick vom Punkt 1935 Richtung Osten

 

Frühmorgens vor Sonnenaufgang vom Jaunpass aus

 

 

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