La Brévine – nicht nur der Kälte wegen

Einer meiner Lieblingsorte in der Schweiz ist La Brévine im Neuenburger Jura und ich besuche die Gegend mehrmals im Jahr zu allen Jahreszeiten. Das Hochtal und die Landschaft um La Brévine sind etwas ganz Spezielles: Es gibt nur sanfte Hügel, Wälder, grüne Wiesen und grosse, unverbaute Flächen. Und natürlich den See „Lac des Taillères“, der im Winter regelmässig zufriert. Während wir im Mittelland wegen Platznot verdichtetes Bauen anwenden, liegen hier die Bauernhöfe häufig hunderte von Metern auseinander, es hat ja genug Platz! Erfreulicherweise hat sich in den letzten dreissig Jahren auch kaum etwas verändert und es wurde nicht alles zubetoniert, wie sonst fast überall.

 

Ruhe
Was mir immer auffällt, ist die Weite der Landschaft und des Himmels. Häufig ziehen grosse, weisse Wolken von Westen nach Osten, über den Lac des Taillères. Die Zeit vergeht langsamer als in den Städten, Hektik ist ein Fremdwort. Es gibt nicht viel „Action“ und auch nichts Spektakuläres zu sehen, dafür Stille, Platz um sich frei zu bewegen und frische Luft zum Atmen. Nichts engt ein und nach ein paar Stunden in der freien Natur kommt man unweigerlich zur Ruhe.

Lac des Taillères

Steinmauern und weisse Wolken
 

Wirtschaft
Das Gebiet lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft, das heisst Viehwirtschaft mit Milchproduktion. Der Ertrag von Gemüsen hält sich kälte- und höhenbedingt in Grenzen und lohnt sich nur für den Eigenbedarf. Daneben gibt es etwas Uhrenindustrie, Gewerbebetriebe, Holzverarbeitung, Käseproduktion und den Tourismus. Früher wurde Torf gestochen, heute ist es aus wirtschaftlichen und Umweltschutzgründen kein Thema mehr. Die nächsten grösseren Orte sind Fleurier und Le Locle zum Arbeiten (mehrere Luxusuhren-Hersteller, z.B. Parmigiani, Zenith oder Ulysse Nardin), für die Ausbildung, den Einkauf und für kulturelle Angebote.

Weideland: gefrorenes Gras vor Sonnenaufgang

Typischer Bauernhof mit Weiden

grasende Kühe im Morgenlicht

 

Klima
Im klaren Winternächten kühlt der Boden aus und die eiskalte Luft bleibt in diesem Hochtal hängen, weil sie nicht abfliessen kann. Das ergibt häufig sehr tiefe Temperaturen, deshalb wird die Region um La Brévine auch „Sibirien der Schweiz“ genannt. Dann gefriert der Lac des Taillères und Jung und Alt sind darauf unterwegs: zu Fuss, mit Schlittschuhen, Schlitten und Skis. Aber auch im Sommer kann man sich abkühlen, liegt der Ort doch auf 1043 Metern. Sommer-Aktivitäten sind Wanderungen, Velotouren oder einfach Erholung am See an.

gefrorener Lac des Taillères bei minus 18 Grad

Jung und Alt sind auf dem gefrorenen See unterwegs

Birken im Jura
Herbstliche Birken mit gefrorenem Gras im Vordergrund
Birken
Birken stellen geringe Anforderungen an die Böden: hier Moorboden

 

Energie auftanken
Wandern, Velofahren oder Skilanglaufen kann man auch an vielen anderen Orten. Was ist denn nun das Besondere an der Gegend um La Brévine? Es ist schwer zu beschreiben, man muss es fühlen. Die Atmosphäre beruhigt, mir ist wohl dort und wenn man sich wohl fühlt, kann man sich entspannen und regenerieren. Vielleicht ist das auch das Geheimnis der „Orte der Kraft“, über die schon viel geschrieben wurde. Für mich ist La Brévine definitiv ein solcher Ort.

Auftanken am See bei schönem wie

auch bei schlechtem Wetter

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