Fine Art Print – eine Definition

„Fine Art Print“ ist ein Begriff, den man in letzter Zeit überall findet und immer mehr Anbieter von Druck-Dienstleistungen preisen sich heutzutage als „Fine Art Printer“ an. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es ein Zauberwort für automatisch gute Bilder ist. Aber um was geht es genau und was ist eigentlich ein „Fine Art Print“? Übersetzt ins Deutsche bedeutet „Fine Art Print“: feiner Kunst Druck. Soweit so gut: Fein ist individuell unterschiedlich, Kunst sowieso und Druck ist alles was aus einem Drucker kommt. Diese Definition ist also nicht sehr hilfreich um zu verstehen, was das Besondere an „Fine Art Prints“ sein soll. Der zentrale Inhalt des Begriffs ist „Kunst“ und über Kunst lässt sich ja bekanntlich streiten. Kunst soll aber immer das Ergebnis eines kreativen Prozesses und einer bewussten Anstrengung sein. Dies im Gegensatz zu einem unbedachten Schnappschuss. Es braucht also bereits vor der Aufnahme eine klare Idee des fertigen Bildes. Nach dem Drücken des Auslösers beginnt dann die weitere Umsetzung der ursprünglichen Bildidee. Wenn man von „kreativer Fotografie“ und „Kunstdruck“ statt von „Fine Art Print“ sprechen würde, wäre besser verständlich, was gemeint ist.

Definition Fine Art Print
Ein „Fine Art Print“ ist ein ausgedrucktes Bild, das einen kreativen, subjektiven und künstlerischen Anspruch bereits bei der Aufnahme erhebt und bei dem in allen weiteren Bearbeitungsschritten alles technisch Mögliche unternommen wird, um ein herausragendes Werk durch einen bestimmten Menschen zu schaffen. Ein „Fine Art Print“ kann aber auch die Reproduktion eines gemalten Bildes eines Künstlers sein. Beim Fineart-Print geht es nicht darum, ein Sujet möglichst neutral zu dokumentieren und abzubilden, dies im Gegensatz zur Reportage- und Sachfotografie.

Technik
Bevor wir näher auf verschiedene Punkte eingehen noch einige Bemerkungen zur Technik. Ein „Fine Art Print“ ist nicht abhängig vom Kamerahersteller oder -modell und auch nicht von der Anzahl Pixel. Bei Kameras, die auf Vollautomatik und Jpeg gestellt sind, übernimmt die eingebaute Kamera-Software die Aufnahme und die Entwicklung des Bildes. Damit verschenkt man sich die besten Möglichkeiten der heutigen, digitalen Steuerungsmöglichkeiten. Der Spielraum zur Nachbearbeitung von Jpeg-Dateien ist viel geringer als derjenige von Raw. Im Jpeg-Format zu arbeiten macht nur Sinn, wenn der Speicherplatz knapp ist, bei zeitkritischen Aufnahmen oder wenn geringere Ansprüche gestellt werden. Die meisten Kameras bieten die Option, gleichzeitig in Raw und Jpeg aufzunehmen und häufig auch noch auf verschiedene Speicherkarten getrennt nach Format zu speichern. Damit steht später immer das beste Format zur Verarbeitung zur Verfügung. Wenn die Aussage „alles technisch Mögliche“ für einen Fineart-Print zu tun gelten soll, bleibt als Aufnahme-Format also nur Raw. Es mag unkritische Situationen geben, wo ein selber bearbeitetes Raw-Bild im grossflächigen Ausdruck schwer von einem sorgfältig bearbeiteten Jepg und gleichem Ausdruck unterschieden werden kann, aber das sind Ausnahmen und ich würde mich nicht darauf verlassen, das gleich gute Resultat zu erreichen. Die maschinelle, Kamera-interne Entwicklung kann auch tolle Bilder ergeben, der fotografierende Mensch hat jedoch praktisch keinen Einfluss darauf und es wäre Zufall, wenn Emotionen, die bei wichtigen Aufnahmen essentiell sind, auch im fertigen Bild sichtbar wären und der Fotograf mit dem Bild das ausdrücken könnte, was beabsichtigt war.
Etwas vom Wichtigsten für einen guten Kunstdruck ist ein kalibrierter / profilierter Bildschirm. Erst damit hat man die Möglichkeit, bereits vor dem Druck zuverlässig beurteilen zu können, wie der Print später aussehen wird. Ein Kunstdruck muss nicht unbedingt in Metergrösse ausgedruckt werden um als solcher zu gelten. Qualität: Für den Druck selbst werden besonders edle Materialien, d.h. die besten verfügbaren Papiersorten verwendet. Geeignete Drucker haben einen grossen Farbumfang und lichtbeständige Tinten.

Haltbarkeit von Drucken
Alle modernen Drucker von Epson, Canon oder HP erzeugen langlebige Drucke, die auf säurefreiem Karton ausgedruckt 70-100 Jahre haltbar sind, ohne auszubleichen. Voraussetzung dafür ist auch, dass bei der Rahmung UV-Glas und ausschliesslich säurefreie Hilfsmittel eingesetzt werden. Wer mehr über das Thema Haltbarkeit wissen will, findet bei http://www.wilhelm-research.com detaillierte Tests zu den meisten Druckern und Papiersorten.

 

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Beispiel für einen guten “Fine Art Printer”

 

Workflow für einen „Fine Art Print“
Sehen wir uns jetzt am Beispiel eines Fotos die einzelnen Schritte an, die zu einem solchen kreativen Bild führen können:

Aufnahme
– Bildidee im Kopf des Fotografen entwicklen
– gegebenenfalls Anreise zum Aufnahmeort bei passendem Wetter / Jahreszeit
– Wahl des Bildausschnitts und der Brennweite des Objektivs
– bewusste, meistens manuelle Wahl von Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert
– wenn nötig: Einsatz von Filtern, Fernauslöser und Stativ
– warten auf den richtigen Zeitpunkt: Sonne, Wolken, Nebel, Modell usw.
– Aufnahme auslösen

Wer jetzt denkt, man brauche Stunden oder Wochen Vorbereitung für ein solches Bild, der irrt sich. Mit Ausnahme der Anreise und evtl. des Wartens auf den richtigen Zeitpunkt kann die Aufnahme rasch erfolgen. Beispiele dafür sind geübte Profis wie Ansel Adams, Cartier-Bresson, Steve McCurry und viele andere, die jeweils eine klare Vorstellung des fertigen Bildes vor dem inneren Auge entwickelten und die Aufnahmen selbst – trotz manuellen Kameras – sehr rasch „im Kasten“ hatten.

Entwicklung
– Wahl des bestmöglichen Raw-Entwicklers
– Wahl des grösstmöglichen Farbraumes in allen Werkzeugen, z.B. ProPhoto, Adobe RGB
– Wahl der grössten Bit-Tiefe, d.h. 16Bit für normale Bilder, 32Bit für HDR
– Umsetzung der ursprünglichen Bildidee durch alle zur Verfügung stehenden Steuerungsmöglichkeiten im Raw-Entwickler, Bildbearbeitungstool sowie ggf. in weiteren Werkzeugen (Nik-Filter, Topaz usw.)
– Speicherung als unkomprimierte TIFF- oder PSD-Datei im 16 Bit-Format für den Ausdruck

Ausdruck
– Wahl des Druckers oder eines qualifizierten Dienstleisters (Anforderungen siehe unten)
– Wahl des Ausdruckmediums
– Wahl des entsprechenden ICC-Profils
– Kontrolle mittels Soft-Proofing am Bildschirm, ob der geplante Ausdruck auf dem gewählten Medium dem fertig bearbeiteten Bild entspricht und ggf. entsprechende Korrekturen in der Druck-Datei. Hinweis: speziell bei matten Papieren sind diese Korrekturen DER entscheidende Schritt, um einen originalgetreuen Ausdruck zu erhalten.
– Druck mittels RIP, z.B. Imageprint, Photoshop, Lightroom oder externem Dienstleister
– Kontrolle des fertigen Ausdrucks. Bei Dienstleistern: Kontrolle des gelieferten Testdrucks und ggf. Freigabe des bestellten Prints

 

Lohnt sich der Aufwand?
Digitale Dateien sind flüchtig und viele von uns haben Daten verloren, weil der Backup- / Restore-Prozess nicht zuverlässig funktioniert hat. Flüchtig speziell in unserer schnelllebigen Zeit, wo täglich Millionen von Fotos ins Netz hochgeladen werden und wir mit Eindrücken überflutet werden. Viele Bilder werden in der Regel ein paar Mal betrachtet, erhalten vielleicht einige Likes im Netz, werden geteilt und verschwinden dann im digitalen Nirwana. Gedruckte und speziell grossformatige Präsentationen auf Papier sind wesentlich eindrücklicher als solche auf Bildschirmen. Ausgedruckte Bilder hinterlassen einen bleibenderen Eindruck. Prints besitzen wir wirklich und es gibt keine Probleme, weil das Online-Portal auf dem unsere Bilder gespeichert sind, übernommen wurde und die Teilnahmebedingungen oder Bildrechte plötzlich ändern. Ein grosser „Fine Art Print“ im Wohnzimmer oder im Büro ist eine Investition fürs Leben, ja sogar für kommende Generationen. Sollte man nach Jahren – trotz aller Erwartungen – überdrüssig davon werden, wird das Bild verschenkt oder verkauft und bereitet so jemandem Neuen Freude. Ja, der Aufwand lohnt sich unbedingt!

 

Anforderungen an „Fine Art Print“- Dienstleister
Worauf soll ich also bei einer Bestellung achten, wenn ich hohe Ansprüche an einen realitätsnahen und langlebigen Druck habe?

Ein guter Dienstleister für Kunstdrucke erfüllt die folgenden Anforderungen:
– Bietet eine Auswahl der besten Fine Art Papiere von Marktleadern wie Hahnemühle, Canson, Moab, Mueso, Epson usw. in matten wie glänzenden Versionen an
– Zu den auswählbaren Materialien stehen Soft-Proof ICC-Profile als Download zur Verfügung
– Macht genaue Angaben, wie die Daten anzuliefern sind
– Dateiformat: Ideal sind TIF und PSD, jeweils 16bit unkomprimiert
– Auflösung in dpi, abhängig vom Endformat
– Arbeitsfarbraum: welches Profil soll eingebettet werden
– werden die Dateien durch den Dienstleister automatisch bearbeitet, z.B. geschärft?
– manuelle Optimierung der Druckdatei als Option bestellbar
– auf Wunsch ist ein vorgängiger Test-Ausdruck als „Gut zum Druck“ bestellbar
– Der Dienstleister ist durch Hahnemühle oder Epson zertifiziert, z.B. “Hahnemühle Certified Studio“ oder „Epson Digigraphie Labor“.

Beim „Fine Art Printing“ stehen nicht vollautomatische Workflows und rasche Lieferzeiten im Vordergrund, das hat mit Kunst auch nichts zu tun. Die Qualität des fertigen Bildes und die Übereinstimmung des Ausdrucks mit der ursprünglichen Bildidee ist das zentrale und wichtigste Kriterium. Auf der Homepage des Dienstleisters sollen deshalb alle notwendigen Angaben ohne Rückfragen zu finden sein. Häufig ist aber nicht klar, ob automatisierte Korrekturen, z.B. Sättigung, Schärfung, Skalierung oder Rausch-Reduktionen vorgenommen werden. Manche geben an, keine Anpassungen vorzunehmen oder nur auf Verlangen. Das ist gut, damit weiss dann jeder, dass die Datei fertig vorbereitet werden muss, oder dass zusätzliche Kosten entstehen. Leider hat nicht jeder Fotograf auch die nötigen Kenntnisse für eine optimale Vorbereitung der Dateien. In diesem Fall sollte man die Optimierung dem Fachmann überlassen. Die Kosten von mehreren hundert oder tausend Franken für ein grossformatiges Bild sind einfach zu viel, um Enttäuschungen zu erleben. Ich meine hier nicht minimale Farbdifferenzen, die es je nach Druckverfahren immer geben kann sondern zum Beispiel davon, dass ein Bild, auf einem kalibrierten Bildschirm betrachtet und für druckreif befunden, auf einem matten Papier gedruckt enttäuschend flau und matt aussehen wird. Dies wird mit Sicherheit passieren, wenn kein Soft-Proofing erfolgt und entsprechende Korrekturen in der Druckdatei vorgenommen werden. Entfällt dieser Bearbeitungsschritt, wurde eben nicht „alles technisch Mögliche“ unternommen und es handelt sich beim Ausdruck im besten Fall um eine print-technisch saubere Ausgabe im Rahmen eines definierten Workflows.

 

Fazit
Ich hoffe, dieser Beitrag bringt etwas Klarheit in den Begriff „Fine Art Print“ und bietet Interessierten Unterstützung beim Finden eines guten Dienstleisters oder ermutigt zum Selberdrucken. Für diejenigen, die es selber anpacken wollen, gibt es Bücher zum Studium sowie jede Menge Tipps und Tricks im Netz. Wer ganz hohe Ansprüche stellt, dem sei der Einsatz eines RIP’s empfohlen, z.B. Imageprint. Obwohl Unterschiede zwischen den Epson-Treibern und dem RIP heute nicht mehr so ins Auge springen wie noch vor ein paar Jahren, ist der Ausdruck mit Imageprint den hauseigenen Epson-Treibern immer noch überlegen. Dazu kommt die Flexibilität der Papierwahl: für jede gängige Papiersorte gibt es ICC-Profile zum Download, sogar aufgeteilt nach Lichtsituation, z.B. für Tages- und Kunstlicht. Wer viel und grosse Formate druckt, hat die Kosten für das Tool rasch amortisiert, weil weniger Ausschuss entsteht (die wirklichen Kosten sind ja Papier und Tinte).

Ich glaube, dass jeder ernsthafte Fotograf in der Lage ist, „Fine Art Prints“ herzustellen in dem er selber druckt oder bei einem qualifizierten Dienstleister bestellt. Schlussendlich muss aber jeder für sich entscheiden, welchen Aufwand an Zeit und Kosten er für den Ausdruck eines Bildes aufwenden will und ob das kreierte Bild den Status „Kunstdruck“ verdient. Was für den einen das grösste darstellt, ist für andere indiskutabel schlecht. Mir persönlich gefällt noch lange nicht alles, was z.B. in der Malerei in der Vergangenheit erstellt wurde und angeblich Meilensteine der Kunst sind. Ich habe deshalb Verständnis dafür, wenn jemand einen Schnappschuss vergrössern und drucken lässt, weil ihm der Anblick wichtige Momente in Erinnerung ruft, riesige Freude bereitet und er das auch „Fine Art“ nennt. Das Wichtigste in der Fotografie sind ja Emotionen, Freude und Begeisterung für die geschaffenen Bilder.

 

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